Let’s talk about… Interview #1 – Musik

26. Oktober 2015, Jay-Pi33

Separate - Lets talk about

Jay: Moin Seppo, in unserer ersten Ausgabe von “Let´s talk about…” würde ich gern mit dir über Musik bzw. Rap sprechen. Wobei mich das Thema ansich schon gleich zu meiner ersten Frage führt. Ich gehe davon aus, dass die meisten von uns, egal ob Rapper, Rapfan, Gelegenheitshörer oder Nicht-Hörer schon einmal mit diesen “Rap ist doch keine Musik”-Menschen zu tun gehabt haben. Wie entgegnest du den Leuten, die behaupten, dass mit einem Beat hinterlegtes “in Reimen sprechen” gar keine richtige Musik sei?

Separate: Solchen Leuten kann ich nur sagen, dass es kein Zufall ist, dass Hip Hop eines der grössten und populärsten Musikgenres der Welt ist. Aber man muss auch sagen, dass ich verstehen kann, dass Leute die mit den Beatles oder Rolling Stones aufgewachsen sind unter Musik etwas anderes verstehen. Rap ist nun mal „Sprechgesang“ und es geht oft auch einfach um die Sachen DIE jemand sagt und vor allem in Deutschland nicht darum WIE man sie sagt. In Amerika sind Feeling und Atmosphäre zum Beispiel viel entscheidender als in Deutschland, wo es heutzutage leider oft einfach darum geht, möglichst asoziale Sachen zu sagen. Denn auch wenn Hip Hop hier bereits viele Jahre ein fester Bestandteil der Jugendkultur ist, liegt er in Deutschland wirklich noch in den Kinderschuhen.

Jay: Hattest du, bevor du dich entschieden hast Rapper zu werden, auch schon mit Musik zu tun? Zum Beispiel durch Musiker in der Familie, ein gelerntes Instrument oder bist du eventuell sogar im (Schul)Chor gewesen?

Separate: Ich war mit Shuko zusammen in einer Schule und wir waren von der 5-7. Klasse zusammen in derselben Musikklasse. Da haben wir Instrumente gespielt, ich war aber nie besonders talentiert. Er auf jeden Fall schon eher, ist ja auch ein guter Musiker aus ihm geworden. Musikalisch weiß ich eher wie etwas klingen sollte, aber hab Probleme es dann umzusetzen. Ich bin also eher ein typischer Produzent als ein Komponist. Meine Mutter ist auch Künstlerin, aber hat nichts mit Musik zu tun. Sie ist eine sehr begabte Malerin und kann sehr gut mit der deutschen Sprache umgehen, schreibt also sehr gute Texte. Das Talent habe ich dann wohl am ehesten von ihr. Ansonsten gibt es in meiner Familie weniger Künstler.

Jay: Kannst du dich denn noch an deinen ersten Text erinnern und wann du ihn geschrieben hast?

Separate: Das muss Mitte/Ende der 90er gewesen sein. War auf einen Beat von ODB, aber was genau das war kann ich nicht mehr sagen. Wird wahrscheinlich ziemlich wack gewesen sein, so wie das bei den Meisten am Anfang ist.

Separate - Lets talk about

Jay: Hörst du selbst auch bzw. nur Rap oder auch andere Musikrichtungen und wenn ja welche?

Separate: Ich höre sehr viel Rap, aber auch andere Musik. Allgemein läuft bei mir eigentlich den ganzen Tag entweder Musik oder der TV. Wenn es um Hip Hop geht höre ich hauptsächlich Ami-Rap, eigentlich ausschließlich um ehrlich zu sein. French Montana, Pac, Biggie, Game, Rick Ross, Chinx, Jadakiss, Jay Z, Nas, Cormega, AZ um nur ein paar Leute zu nennen. In letzter Zeit auch viel Meek Mill, Tyga, Chris Brown und va Drake. Drake ist ein musikalisches Genie wenn ihr mich fragt, ein absoluter Ausnahmekünstler. Früher auch viel 50 Cent, aber die neuen Sachen feier ich nicht mehr so. So geht’s mir übrigens auch bei Eminem. Abseits von Rap höre ich sehr gerne 70er Jahre Soul. Al Green, Isleys, Marvin Game und solche Sachen. Ausserdem Phil Collins und Guns n Roses. Feier ich beide sehr. Ich bin einfach ein Musikliebhaber und bin für jede Musikrichtung offen…außer Techno! Damit kann ich einfach gar nix anfangen.

Jay: Wenn du schon dabei bist ein paar Namen zu nennen, was sind denn deine persönlichen Top 5 in Sachen Platten/Tapes aus allen Musikrichtungen zusammen?

Separate: Oha das ist auf jeden Fall schwer zu sagen, aber ich werde es mal versuchen:
1. Tupac – All eyez on me
Mit Sicherheit das Album, dass ich am meisten in meinem Leben gehört habe, gerade als es rausgekommen ist, bin ich da voll drauf hängengeblieben. Allgemein ist Pac nach wie vor für mich der grossartigste Rapper aller Zeiten, daran wird sich mit Sicherheit auch nix mehr ändern.
2. Guns n Roses – Use your Illusion 1&2
Ich war immer ein großer Fan von GnR und bin es auch heute noch, auch wenn mir die neuen Songs nicht mehr wirklich gefallen. Die alten Sachen sind aber absolut legendär!
3. Nas – Illmatic
Einfach ein All Time Classic, nicht nur für mich.
4. Jay Z – Blueprint
Hab ich damals auch totgehört. Ich Feier Jay sowieso, aber dieses Album war einfach ein Meilenstein im Hip Hop Genre. Die souligen Beats zusammen mit seiner Stimme und seinen Raps. Man fühlt sich wie in New York wenn man das hört. Einfach ein geniales Album, dass man nie tot hören kann.
5. Eminem – Marshall Mathers LP
Eminem in absoluter Topform. Und stinksauer 😉 Criminal ist bis heute einer seiner besten Songs wie ich finde.

Separate - Lets talk about

Jay: Jetzt mal nicht als Künstler beziehungsweise “Arbeit” betrachtet, welche Rolle spielt Musik in deinem Leben allgemein im Alltag, Stresssituationen oder beim Feiern?

Separate: Musik hat einen sehr hohen Stellenwert! Wie schon gesagt, höre ich jeden Tag durchgehend Musik. Ich höre zu Fuß Musik, ich höre im Auto Musik, beim Arbeiten, beim Sport. Gibt keinen Moment ohne Musik für mich. Musik ist für mich wie ein Soundtrack zum Leben. Zu jeder Situation gibt es die perfekte musikalische Untermalung. Tupac ist das perfekte Beispiel. Der hat für jede Lebenssituation den richtigen Track parat.

Jay: Kann man als Musiker selbst eigentlich genau so ein “neutraler” Hörer sein, wie jeder andere? Oder betrachtet man die Musik immer unter arbeitstechnischen Kriterien?

Separate: Natürlich achte ich immer darauf wie die Leute ihre Musik recorden die ich feier. Ich mag zum Beispiel den Sound von Ross und Drake sehr. Also jetzt mal nur vom abmischen. Viele Höhen in den Stimmen und sowas. Ich höre mir mit Monroe unsere „Vorbilder“ durch und wir versuchen dann unseren Sound auch so abzumischen wie die das machen, weil es einfach der Sound ist, den man feiert. Ansonsten muss ich sagen, kann ich Musik noch ganz normal genießen, wenn das die Frage ist. Ich sitze nicht da und frag mich stundenlang welche Snare der wohl da benutzt hat.

Jay: Zum Thema Vorbilder. Mal angenommen du hättest einen Wunsch frei. Mit welchem Rapper bzw. Künstler würdest du gerne mal zusammenarbeiten? Oder noch besser: Wie würde deine persönliche Traumkonstellation von Featurepartner(n), DJs und Produzenten mit dir auf einem Track aussehen?

Separate: Also von den noch lebenden Rappen/Produzenten wäre das auf jeden Fall ein Beat von Kanye West. Dazu Drake, Nas, Jay Z und Rick Ross. Haha allein wenn ich daran denke, muss sich lachen, weil es wahnsitzig ist! Aber das wäre meine Traumkonstellation. Beat von Dre und Feature mit Snoop und Game wäre natürlich auch nicht schlecht. Ich würde aber auch ein Feature mit Nero und Rugged Man nicht ablehnen 😉 Ein Cassidy Feature mit Meek Mill und einem Just Blaze Beat wäre sicher auch nicht schlecht. Sind aber natürlich alles Dinge die nie passieren werden.

Separate - Lets talk about

Jay: Ich weiß noch als ich ein Junge war, lief bei mir ständig MTV oder MTV2 im Hintergund. Nachdem sie am Ende eh kaum noch Musik gespielt haben, sind die meisten solcher Sender ja zumindest aus dem Free-TV verschwunden. Wie betrachtest du als Künstler den Verlust der richtigen Musikvideo-Sender?

Separate: Hat gute und schlechte Seiten. Youtube ist ja jetzt quasi das aktuelle MTV. Man kann sich jetzt halt selbst eine Plattform aufbauen, was ich gut finde. Allerdings waren die echten MTV Zeiten schon killer. Meine Schwester und ich haben uns auch Europas Top 20 auf MTV angeschaut. Vor allem halt das was damals so angesagt war, aber in erster Linie GnR, da waren bzw sind wir beide grosse Fans von gewesen. Musikalisch waren die 90er schon ganz geil…mal abgesehen von dem Dance Kram. Wobei da auch lustige Sachen dabei waren.

Allerdings weiß ich auch noch wie wir für 16.000€ das Deutschlands Hustler Video für MTV produziert hatten. Wir hatten damals echt große Hoffnung damit richtig durchzustarten und am Ende schicken dir die einfach ne Mail und lehnen das Video ab. Das war schon hart für uns, deshalb sollen die sich auch ficken. Ich bin froh, dass die Penner pleite sind bzw. nicht mehr für voll genommen werden. Früher haben wir uns auch immer Betavis & Butthead auf MTV gegeben. Die 90er waren ne echt coole Zeit. Viel besser als die 2000er meiner Meinung nach, aber nichts toppt die 80er. Beste Musik, beste Klamotten und beste Frisuren.

Jay: Zu guter Letzt würde ich gerne noch einmal auf das Thema Streaming-Angebote eingehen. Fler behauptet ja zum Beispiel, dass man seine Musik lieber illegal laden sollte, da er an Spotify sowieso nichts verdiene. Wie stehst du zum Thema Spotify &. Co, als Künstler und Konsument?

Separate: Glaube er hat das etwas anders gesagt, aber im Prinzip hat er Recht. Man verdient extrem wenig an Spotify, deshalb werde ich meine Alben da auch nicht mehr anbieten. Es bringt einfach nichts. Es ist natürlich angenehm für den Endverbraucher für 10€ im Monat jedes Album hören zu können, das man hören will. Ich bin als Kunde selbst bei Spotify und höre viel Musik per Stream. Für mich als Künstler lohnt es sich allerdings überhaupt nicht. Es ist auf jeden Fall eine gewisse Art des Ausverkaufs der Musik. Den großen Artists wie Drake oder solchen Leuten macht das natürlich nichts aus, aber den Kleineren kann das ganz schnell die Existenz kosten.



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